Auszug aus dem Streitgespräch

zwischen Stephan Niederwieser und Martin Arz zum Thema: „Offene Beziehung, Ja oder Nein?“


… „Natürlich fände ich es optimal, meine Gelüste innerhalb meiner Partnerschaft gestillt zu bekommen, denn außerhalb fehlt mir von vornherein etwas. Aber wie oft kommt es schon vor, dass man jemanden findet, der auf allen Ebenen zu einem passt?“, schreibt Stephan Niederwieser in seinem Fragebogen. Sein Kollege Martin Arz („Tod eines Luders“) hält dagegen: „Sex außerhalb der Partnerschaft ist in jedem Fall absolut indiskutabel! An so etwas wie eine offene Beziehung glaube ich nicht, und den überzeugenden Beweis, dass sie funktioniert, hat mir noch niemand erbracht.“
Das klingt nach ziemlich unversöhnlichen Positionen. Klar, dass sich die beiden Autoren aneinander gerieben haben, bis die Funken flogen.

Paaroli - Schwule in jeder Beziehung

"Ziel des Buches ist, schwules Leben in der Partnerschaft transparenter zu machen und Schwulen Mut zu machen, ihre Liebe offener zu leben.

Bruno Gmünder Verlag, 2004

Martin, warum ist Treue für dich so wichtig?

Martin: Treue, und damit meine ich ganz explizit auch die körperliche, die ja in der Szene gerne ausgeklammert und als etwas Vernachlässigenswertes belächelt wird, ist etwas Wunderschönes, etwas, das nicht nur einem selbst, sondern auch dem Partner Ruhe, Vertrauen und Verlässlichkeit gibt.
Klar bedeutet Treue im Zweifelsfall auch eine Art von Verzicht, d.h. ich kann, wenn ich mich für eine Partnerschaft entschieden habe, eben nicht mehr nach Belieben in der Gegend herumpoppen. Denn wenn ich das tue, gehe ich das Risiko ein, den Menschen, den ich liebe, zu verletzen. Doch der Verzicht ist nur oberflächlich einer, letztlich ist er ein Gewinn. Denn weil ich meinen Partner liebe, habe ich gar kein Bedürfnis, mit anderen ins Bett zu gehen. Sicher gibt es immer wieder mal Typen, die mir gefallen, denen ich hinterher gucke und mit denen ich mir es vorstellen könnte fremdzugehen. Doch dann? Soll ich wegen irgendeinem Knackarsch meine Beziehung riskieren? Schön blöd wäre ich, selbst wenn mein Süßer nichts davon mitbekäme.

Stephan: Verzicht als Liebesbeweis? Diese Vorstellung erschreckt mich. Würdest du auch auf Milch verzichten, nur weil dein Partner Angst vor Milch hat? Die Frage ist doch eher, warum verletzt es deinen Süßen, wenn du Sex mit einem anderen hast? Da hat er doch noch etwas zu lernen. Kein Mensch gehört einem anderen. Die Liebe ist ein Geschenk. Und wer sie festzuhalten versucht, erstickt sie. Niemals würde ich meine Seele für die Verlustängste meines Lebensgefährten drangeben. Heute fordert er die Amputation meiner Libido, morgen mein rechtes Bein. Der Verstümmelung muss man früh Einhalt gebieten …


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