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Wie man in der Uni von Greifswald Autoren anmoderiert
Stephan Niederwieser, aufgewachsen in Bayern, Berlin und New York lebt heute als Schriftsteller in Berlin und Schweden. Da Deutsch in der Schule sein absolutes Hass-Fach war und er davon geträumt hatte, eine Propellermaschine zu besitzen, mit der man um die ganze Welt fliegen kann, schrieb er sich folgerichtig an der Uni Saarbrücken für Germanistik ein, wechselte nach zwei Semestern nach München und nach weiteren zwei Jahren nach New York in eine neue Welt und ein neues Leben. Zurück in Deutschland machte er eine Ausbildung zum Heilpraktiker und schloss dann eine zweite in der Homöopathie an, die er 1990 erfolgreich beendete. Seine Praxis gab er jedoch nach zwei Jahren 1992 wieder auf, da ihn die Probleme seiner Patienten nach eigener Aussage zu sehr vereinnahmten.
Zur Schreiberei kam er, als er beim Burda-Verlag anheuerte und es schließlich zum stellvertretenden Chefredakteur eines Jugendmagazins gebracht hatte. So kam er auch mit einiger Prominenz in Berührung; Wolfgang Joop, Ralf Bauer, Patrick Lindner und Michael Link seien hier als seine Gesprächspartner genannt. Die Interviews mit diversen Boybands hingegen bewertet Niederwieser als eher enttäuschend langweilig. Nach Tätigkeiten für Verlage wie Burda, Gruner & Jahr und Bauer ließ er, nicht ohne eine Biographie über Peter Maffay geschrieben zu haben, den Journalismus 1996 hinter sich, um nicht bis zur Rente warten zu müssen, damit sich all die Ideen und Episoden, die sich auf seinen Schmierzetteln gesammelt hatten, einmal in etwas Ganzes, etwas Lesbares verwandelten.

Sein erster Roman An einem Mittwoch im September (1998) erzählt die Geschichte von der Suche nach dem Ursprung rätselhafter Träume, die beginnt, als ein Ring, der die Beziehung eines schwulen Paares besiegeln soll, unerwartete Emotionen auslöst. Der Roman ist bereits in zweiter Auflage erschienen, was für sich spricht! Das einzige, was zählt folgte 2000 ebenfalls im Querverlag und schildert nach einem Urteil von Männer Aktuell authentisch das Lebensgefühl der Schwulen in den ausgehenden 90er Jahren.
Stephan Niederweiser, Autor von Kurzgeschichten und zahlreichen Romanen, schreibt, weil es ihm erstens Spaß macht, Menschen auch in schwierige Situationen zu stecken und ihnen dann zweitens bei deren Bewältigung zu helfen, was bisweilen dazu führt, dass er das Schicksal seiner Figuren sehr nah mitlebt. Durch den Beobachterstatus, den er dabei als Autor einnimmt, ist es ihm ferner möglich, das Leben intensiver wahrzunehmen und dies dennoch aus einer Schutzperspektive heraus, ohne eben selbst in die Episoden involviert zu sein. Denn seine Geschichten haben nach eigener Aussage letztlich alles und nichts mit ihm selbst zu tun. Es ist vielmehr so, dass er die Gedanken und Gefühle seiner Figuren in ihren speziellen Situationen nachzuempfinden vermag.
2003 erscheinen die Romane Eine Wohnung mitten in der Stadt bei Piper sowie Denn ich wache über deinen Schlaf im Querverlag, der von Our Munich zum Buch des Jahres gewählt wurde. Es ist die Geschichte von Reiner und Nik, die nach Jahren der Trennung durch ein schicksalhaftes Ereignis wieder zusammengeführt werden.
Stephan Niederwieser hat außerdem Kurzgeschichten und Beiträge, unter anderem in den Anthologien Boy meets Boy von 1999, Sexperimente, ebenfalls 1999 und Hiebe und Triebe (2000) veröffentlicht. Letzteres ist eine Sammlung erotischer Geschichten, die von Rainer Hörmann und Jim Baker herausgegeben wird und heute schon drei Bände umfasst. Der erste ist bereits in zweiter Auflage erschienen. Dort und im zweiten Band finden sich jeweils Geschichten von Niederwieser.
Schließlich hat Stephan Niederwieser im Bruno Gmünder Verlag seine erfolgreichen Sachbücher herausgegeben. Sein Ratgeber Sextips für Schwule Männer erschien 2002. In ihm empfiehlt er unter anderem, es in Sachen Selbstbefriedigung mit Christopher Columbus zu halten, und auf Entdeckungsreise zu gehen oder auch im Kapitel über Sex und andere Peinlichkeiten, ihn einfach rauszuschmeißen, wenn er Vorsicht, meine Haare schreit, wenn Du ihn umarmen willst. Und wer wollte nicht schon immer mal für den Fall der Fälle wissen, was ein Spruch wie Ich hab meine Telefonnummer vergessen. Kann ich deine haben? auf Lozärnerisch, Finnisch, Wienerisch oder Türkisch heißt. All das und noch viel mehr klärt Niederwieser in seinen Sextips.
Noch etwas dezidierter in Sachen Sex geht es dann in seinem zweiten, in diesem Jahr ebenfalls im Bruno Gmünder Verlag erschienenen Ratgeber Bück Dich! Mehr Spaß bei Analsex zur Sache. Niederwieser lässt keine Frage zu dem Thema unbeantwortet und hat dem Buch eine Kaufberatung vorangestellt, die auch adäquate Ausreden bereit hält, nur für den Fall, dass Man(n) an der Kasse sonst direkt im Boden versinken würde. Mein Favorit: Meine Mutter hat einen schwulen Sohn. Sie verstehen...
Unter dem Pseudonym Gerke van Leiden veröffentlicht Stephan Niederwieser bei Bruno Gmünder pornographische Geschichten. Das Pseudonym benutzt er nicht etwa, weil er sich für diese Werke schämen würde, sondern weil er seinen Lesern, die seine Romane schätzen, nicht ungewollt Pornographisches antun möchte, wie er sagt. Zunächst erschien 2002 Das Weisswurstfrühstück und andere Sauereien; eine Sammlung von sechzehn erotischen Erzählungen rund um das Oktoberfest in München, die alle auf 100% wischfestem Papier gedruckt sind, wie van Leiden in seinem Vorwort den Leser beruhigt.
2003 erschien dann der Roman Nur Fliegen ist schöner. Eine Roadstory mit dreifachem Happy End. Es ist die Geschichte von Luke, der mit seinem Wunsch nach oraler Befriedigung bei seiner Frau abblitzt und sich von seinem Schwager den guten Rat geben lässt, es mit seinem Anliegen doch mal bei schwulen Männern zu versuchen. Also nehmen die beiden an einer Motorradtour teil, wobei sich unter hundert schwulen Bikern doch wohl jemand finden wird...
Niederwiesers jüngste Veröffentlichungen in diesem Jahr sind die Geschichten Endstation Sehnsucht erschienen in Einmal hin und quer beim Querverlag sowie Eine Liebe in B-Dur, erschienen in Fühl mich bei Knaur.
Stephan Niederwieser sagt, Erfolg bedeute ihm, gelesen zu werden und in Lesungen mitzubekommen, dass das, was er geschrieben hat, bei den Zuhörern die Gefühle hervorruft, die er durch seine Worte auszudrücken suchte.
Uns allen eine in diesem Sinne erfolgreiche und spannende Lesung!
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Vorstellung von Stephan Niederwieser anlässlich einer Lesung zusammen mit Kriss Rudolph im Rahmen der Gender Trouble-Geburtstagswoche in Greifswald am 18.11.2004.
Text: Felix M. Prokoph
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