Häufig gestellte Fragen und meine Antworten darauf


Worauf bist du am meisten stolz?
Wie mir ein Schüler in Rostock erzähle, wurde ein Textauszug aus "Das einzige, was zählt" in seinem Unterricht durchgenommen.

Was bedeutet Erfolg für dich?
1. Gelesen werden.
2. In Lesungen mitzukriegen, dass das, was ich geschrieben habe, bei den Zuhörern genau jene Gefühle hervorruft, die ich durch meine Worte zu erwecken suchte.

Wie stehst du zu Pornographie?
Mit großer Begeisterung habe ich die "365 Liebhaber der Josefine Mutzenbacher" gelesen (ich war 13). Bis zu meinem 16. Lebensjahr habe ich alle Pornos gesehen, die unser Dorfkino spielte (ich erinnere mich an das Ehepaar, das an allen Sehenswürdigkeiten von Paris Sex hatte - sehr einfallsreich). Seither stand ich Pornographie eher ablehnend gegenüber. Als mich Rainer Falk bat, eine Geschichte für SEXperimente (Querverlag, 1999) zu schreiben, willigte ich ein, weil ich es spannend fand, Sex durch einen Frauenkörper zu empfinden. Zu meiner Überraschung entdeckte ich dabei den Spaß an der Pornographie. Mittlerweile gibt es einige, wie ich finde sehr lustige Geschichten, z.B. in den "Hiebe und Triebe"-Anthologien vom Querverlag, und unter dem Pseudonym Gerke van Leiden "DAS WEISSWURSTFRÜHSTÜCK und andere Sauereien", ein Band voller Geschichten rund ums Oktoberfest, sowie den Bikerroman "Nur fliegen ist schöner".

Warum schreibst du Pornographie unter einem Pseudonym? Schämst du dich dafür?
Keineswegs. Ich will nur vermeiden, dass Leser, die meine Romane schätzen, ungewollt Pornographie kaufen. Dass ich dahinter stecke, steht ja auf dem Buchdeckel.

Wie kamst du auf den Namen Gerke van Leiden? Hat der etwas mit SM zu tun?
"Leiden" hat mit Schmerzen nichts zu tun. Gerke entstammt einer einflussreichen calvinistischen Familie aus Leiden, Holland (das liegt zwischen Amsterdam und Rotterdam). Der Name führt die Tradition der Namensgebung weiter, der auch z.B. Tom of Finland oder Charlotte von Mahlsdorf gefolgt sind.

Wer sind deine Vorbilder?
Es sind v.a. die amerikanischen SchriftstellerInnen, die ich gerne lese: Pat Conroy, Alice Hoffman, Carol Shields, Toni Morrison, Michael Cunningham. Sehr gerne lese ich den holländische Schriftsteller Harry Mulisch (Die Entdeckung des Himmels, Die Prozedur).

Wie denkst du über die eingetragene Partnerschaft?
Das Gesetz wurde mit großen Versprechen propagiert, dann, als die Regierung die Schwulenvertretungen hinter sich gebracht hatte, wurde es scheibchenweise reduziert. Übrig bleibt ein Gesetz, was viele - meines Erachtens gesetzeswidrige - Nachteile birgt: Versorgungspflicht, aber kein Steuersplitting, etc. Das Ergebnis: Nur wenige Paare werden ihre Partnerschaft eintragen lassen, und das wird die Regierung als Argument benutzen, um den Homosexuellen mangelnde Bereitschaft, sich verpflichten zu wollen, vorzuwerfen.

Wie müssten die Gesetze sinnvoll geändert werden?
Es ist nicht einzusehen, warum kinderlose Paare Steuervergünstigungen bekommen sollten, ganz gleich ob homo- oder hetero- oder sonstwie-sexuell. Im Gegenteil, sie genießen ohnehin große Vorteile (eine statt zwei Mieten, gemeinsame Haushaltsführung, etc.). Steuervorteile sollten nur jene erhalten, die Kinder versorgen, ganz gleich ob Mann oder Frau, Single, verheiratet, schwarz, weiß, homo- oder heterosexuell. Für alle anderen Formen von Lebensgemeinschaften müssen gleiche Rechte gelten.

Was ist dein größtes Glück?
Dass ich meinen Lebensunterhalt mit dem verdiene, was mir am meisten Spaß macht.

Wieso spielen in "An einem Mittwoch im September" Zufälle eine so prominente Rolle?
Der Zufall, dass Bernhards Vater den Ring ausgerechnet Edvard verkauft und der ihn Bernhard zur Verlobung schenkt, fordert, dass weitere Zufälle dieser Art passieren. Eine Kraft (wie auch immer man sie bezeichnen möchte) will, dass Bernhard hinter das Geheimnis seines Vaters kommt, weil ihn das mit ihm versöhnt und ihn letztlich zu einem besseren Menschen macht.
Ich habe selbst schon einige "Zufälle" erlebt, von denen ich überzeugt bin, dass sie keine waren. Ich müsste Seiten füllen, wollte ich all die widrigen Umstände auflisten, unter denen ich meinen ersten Mann in New York kennen gelernt habe.

Warum beschäftigst du dich in deinen Büchern immer wieder mit dem Tod?
"Man geht, man kommt, man springt, man tanzt, vom Tode hört man kein Wort", schreibt Michel de Montaigne in seinem Essay Philosophieren heißt Sterben lernen (Insel, 1991). "Alles recht gut! Aber kommt er dann auch zu ihnen selbst, oder zu ihren Weibern, Kindern und Freunden und überrascht sie unter welcher Gestalt er mag, was setzt es da nicht für Not und Elend, was für ein Geheule, was für Wut, welche Verzweiflung! Um damit anzufangen, ihm seinen großen Vorteil über uns abzugewinnen, müssen wir eine der gewöhnlichen ganz entgegengesetzte Methode einschlagen. Benehmen wir ihm das Fremde, machen wir seine Bekanntschaft, halten wir mit ihm den Umgang und lassen uns nichts so oft vor den Gedanken vorbei eilen als den Tod. Es ist ungewiss, wo uns der Tod erwartet; erwarten wir ihn also allenthalben! Sinnen auf den Tod ist sinnen auf Freiheit. Wer sterben gelernt hat, versteht das Dienen nicht mehr.

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