Verletzlichkeit

[Scham] ist universell, wir alle haben sie", behauptet Brené Brown in ihrem Ted Talk, nachdem sie sechs Jahre lang Hunderte von Interviews mit Menschen geführt hat, um dieses "Gefühl" zu verstehen. "Die einzigen Menschen, die Beschämung nicht erfahren, haben selbst keine Kapazität für zwischenmenschliche Empathie oder In-Verbindung-sein. Niemand möchte über sie reden, und je weniger man darüber redet, umso mehr hat man sie."

Brené Brown beschreibt sich selbst als typische Forscherin, die alles mit dem Meterstab ausmessen, in Schubladen schieben und kategorisieren will. In diesem Modus nahm sich die Soziologin vor, menschliche Bindungen zu erforschen. Sechs Jahre lang führte sie Hunderte von Interviews, las tausende Geschichten und Tagebücher, bis ihr langsam dämmerte, was notwendig ist, um sich zugehörig und geliebt zu fühlen: Der Glaube, dass man der Liebe und Zugehörigkeit würdig ist.

Nur, wie kommt man dahin?

Sie studierte noch einmal alle Unterlagen von jenen Menschen, die sich würdig fühlten, um die Gemeinsamkeiten herauszufiltern. Und bald war klar, dass es etwas mit Courage zu tun hatte. Lateinisch "cor" = Herz, bedeutet Courage ursprünglich: Wer man ist von ganzem Herzen zu erzählen.

Für Brown war plötzlich klar, dass es schlichtweg darum ging, die Courage aufzubringen, unvollkommen zu sein.

Aber wie kriegt man das hin?

Diese Menschen waren gewillt, von der Idee loszulassen, jemand bestimmtes sein zu müssen, um Bindung zu bekommen. 

Und noch etwas war ihnen gemein: Sie nahmen Verletzlichkeit bereitwillig an. Sie glaubten, dass das, was sie verletzlich machte, sie zugleich liebenswert machte. Sie hielten Verletzlichkeit weder für angenehm, noch für qualvoll. "Sie hielten sich lediglich für notwendig. Sie erzählten von der Bereitschaft als erster "Ich liebe dich" zu sagen, von der Bereitschaft, etwas zu wagen, für das es keine Garantien gibt, von der Bereitschaft, durchzuatmen, während man nach seiner Mammographie auf den Anruf des Arztes wartet. Sie sind bereit, in eine Beziehung zu investieren, die vielleicht gar nicht gelingt."

Auch wenn die Weisheit Browns auf das Wissen um das Ziel beschränkt bleibt und sie keinerlei therapeutische Führung bereithält, sind diese 20 Minuten Ted Talk Gold wert. Sie erfasst den Kern und schafft es dabei, sehr menschlich das zu sein, das sie predigt. Nicht zuletzt musste zumindest ich mich kugeln vor Lachen. 

Brene Brown: Die Macht der Verletzlichkeit

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