Warum ist mein Leben anstrengend?

Die helfenden Hände sind unerreichbar

Wenn heute in unserem (Er-)Leben etwas schief läuft, liegt es oft daran, dass wir aufgrund früherer Erfahrungen zu Kernüberzeugungen über uns selbst und die Welt gelangt sind, die einengend oder negativ sind bzw. einen unlösbaren Konflikt in uns erzeugen. Eine Kernüberzeugung, die bei Menschen weit verbreitet ist, lautet z.B.: „Ich habe es nicht verdient …“ Diesen Satz kann man unterschiedlich vollenden, mit „… glücklich zu sein“, „… geliebt zu werden“, „… dass meine Bedürfnisse erfüllt werden“, o.ä. 

Aber man kann auch limitierende Überzeugungen über die Welt für wahr halten, z.B.: „Man kann niemandem vertrauen“, „Männer sind gefährlich“, „Egal, wie ich mich anstelle, ich mache es falsch.“ Oder – gerade für Menschen, deren Eltern unverarbeitete Traumata aus dem Krieg heimgebracht haben –: „Diese Welt ist nicht sicher.“

Diese Art von Selbst- und Weltbildern lösen an sich schon unlösbare Konflikte aus, z.B. wenn ich als Frau eine Familie gründen will, gleichzeitig aber überzeugt bin, dass man sich auf Männer nicht verlassen kann. Oder wenn ich erfolgreich sein möchte, ich es aber für gefährlich halte, gesehen zu werden. Oder wenn ich mein Leben leben möchte, gleichzeitig ständig auf das achte, was andere von mir erwarten. 

Noch schwieriger wird es, wenn ich z.B. von meinem Vater schlecht behandelt wurde. Ich möchte ein guter Sohn/eine gute Tochter sein, wozu gehört, dass ich mich im Alter um ihn kümmere. Aber die Angst vor ihm und die Wut auf ihn, darüber dass er mich geschlagen hat, wohnt immer noch in jeder Zelle meines Körpers. Wenn ich nun das Selbstbild zu erfüllen suche, ein guter Sohn/eine gute Tochter sein zu wollen, muss ich meine Angst und Wut unterdrücken, muss meine Alarmsignale überhören, mein Bedürfnis, mich zu wehren, abwürgen. Ich verrate mich und meine Gefühle …

Alle Menschen haben solche unbewussten Kernüberzeugungen über sich und die Welt. Viele sind hilfreich, z.B. dass man seine Hand nicht in loderndes Feuer steckt. Andere Überzeugungen dagegen sind sehr einschränkend, wie oben erwähnt. Wenn das Leben anstrengend wird, dann meistens, weil sich die einschränkenden Kernüberzeugungen in den Vordergrund geschafft haben. Sie filtern unsere Wahrnehmung. Dann kann ein reiches Leben nicht mehr als Glück erfahren werden, dem wertschätzenden Partner wird misstraut, der eigene Körper und dessen natürliche Bedürfnisse werden zu einer Last, man sucht nach Anerkennung von anderen und versucht vielleicht sogar die schmerzlichen Gefühle mit Suchtmitteln wie Nikotin, Alkohol oder Medikamenten zu betäuben – um nur einige der möglichen Folgen zu nennen.

Rückzug von der Welt ist eine natürliche Folge. Man mag sich vielleicht sogar selbst nicht mehr. Man schneidet sich von gesunden Bedürfnissen ab, verliert Lebensfreude und Vertrauen und verharrt in hoffnungslosen Beziehungen, in auslaugenden Arbeits- und unangenehmen Wohnverhältnissen – weil man davon überzeugt ist, keine Wahl oder „nichts besseres verdient zu haben.“ 

Dabei ist das alles nur eine große Illusion!